Unterschied zwischen Aktie und Anleihe

Kurz gesagt
Eine Aktie steht für einen Anteil an einer Aktiengesellschaft; mit ihr werden Sie Anteilseignerin oder Anteilseigner. Eine Anleihe verbrieft eine Forderung gegen ihren Herausgeber. Bei ihrer Ausgabe erhält dieser das Kapital; beim späteren Kauf am Markt erwerben Sie die Forderung vom bisherigen Inhaber. Vereinbarte Zahlungen erhalten Sie, sofern der Schuldner sie leisten kann.
Der HauptunterschiedEine Aktie verbrieft einen Anteil an einer Aktiengesellschaft; eine Anleihe verbrieft eine Forderung gegen ihren Herausgeber.
Beide sind handelbare Wertpapiere zur Kapitalanlage, doch eine Aktie verbrieft einen Unternehmensanteil und eine Anleihe eine Forderung gegen den Herausgeber.
Steckbriefe
Steckbrief: Aktie
Eine Aktie verbrieft einen Anteil am Grundkapital einer Aktiengesellschaft. Aktionäre halten damit einen Anteil an der Aktiengesellschaft und haben daraus Mitgliedschaftsrechte.
- Anteil am Unternehmen
- Stimmrecht je nach Aktienart
- Keine feste Laufzeit
Beispiel Mia kauft eine Aktie und besitzt damit einen kleinen Anteil an einer Aktiengesellschaft.
Steckbrief: Anleihe
Eine Anleihe ist ein übertragbares Schuldpapier. Ihr Herausgeber nimmt Geld auf und verpflichtet sich zu vereinbarten Zahlungen.
- Gläubigerforderung
- Vereinbarte Rückzahlung
- Laufzeit meist festgelegt
Beispiel Jonas kauft eine Staatsanleihe und leiht dem Staat damit Geld.
Auf einen Blick
| Merkmal | Aktie | Anleihe |
|---|---|---|
| Was ist es? | Ein Unternehmensanteil mit möglichen Mitgliedschaftsrechten. | Ein handelbares Schuldpapier mit Forderung gegen den Herausgeber. |
| Typisch | Kurs und mögliche Ausschüttung schwanken. | Zins und Rückzahlung sind vertraglich geregelt. |
| Wofür / wann? | Für eine Beteiligung an einem Unternehmen. | Kreditfinanzierung zu festgelegten Bedingungen, meist mit einer bestimmten Laufzeit. |
| Beispiel | Anteil an einer börsennotierten Aktiengesellschaft. | Staatsanleihe mit festgelegtem Rückzahlungstermin. |
| Ertrag | Kursgewinn und mögliche Dividende | Zinsen und mögliche Kursveränderung |
| Mitbestimmung | Stimmrecht bei stimmberechtigten Aktien | Kein gesellschaftliches Stimmrecht |
| Rang bei Insolvenz | Ansprüche erst nach Gläubigern | Forderung nach vereinbartem Rang |
| Herausgeber | Aktiengesellschaft | Staat, Unternehmen oder andere Körperschaft |
Im Detail
Eigentum oder Forderung
Mit einer Aktie erwerben Sie eine Beteiligung an einer Aktiengesellschaft. Die genauen Rechte hängen unter anderem von der Aktienart und der Satzung des Unternehmens ab. Bei stimmberechtigten Aktien können Anteilseigner etwa auf der Hauptversammlung abstimmen.
Eine Anleihe verbrieft eine Forderung gegen ihren Herausgeber. Bei der Ausgabe erhält dieser das Kapital; beim späteren Kauf am Markt erwerben Sie die Forderung vom bisherigen Inhaber. Daraus entsteht ein Schuldverhältnis: Der Anleihegläubiger hat Anspruch auf die im Wertpapier festgelegten Leistungen. Er wird dadurch nicht Miteigentümer des Unternehmens und erhält kein allgemeines Mitspracherecht in dessen Geschäftsführung.
Der Unterschied zeigt sich auch, wenn ein Unternehmen zahlungsunfähig wird. Anteilseigner erhalten bei einer Insolvenz grundsätzlich erst dann etwas, wenn die Ansprüche der Gläubiger bedient wurden. Für Anleihen kommt es auf deren Rang und die vorhandene Insolvenzmasse an; eine vollständige Rückzahlung ist nicht garantiert.
Erträge und Zahlungen
Bei einer Aktie kann ein Ertrag aus einer Wertsteigerung oder einer Dividende entstehen. Eine Dividende ist eine Ausschüttung des Unternehmens, über die es nach den geltenden Regeln entscheidet. Sie ist nicht automatisch jedes Jahr fällig; auch eine profitable Firma muss nicht zwingend eine Dividende zahlen.
Bei einer Anleihe sind die Zahlungsbedingungen im Voraus festgelegt. Viele Anleihen sehen regelmäßige Zinszahlungen vor, andere haben variable Zinsen oder zahlen keine laufenden Zinsen. Dann kann der Rückzahlungsbetrag beispielsweise über dem Ausgabepreis liegen. Entscheidend sind stets die konkreten Anleihebedingungen.
Ein vereinbarter Zins macht die Zahlung nicht risikofrei: Kann der Herausgeber seine Verpflichtungen nicht erfüllen, können Zinsen ausbleiben oder die Rückzahlung teilweise beziehungsweise ganz entfallen. Die Bonität des Schuldners ist deshalb ein wichtiger Anhaltspunkt, aber keine Garantie.
Kurs und Laufzeit
Aktienkurse reagieren auf die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens, seine erwarteten Geschäftsergebnisse und die Einschätzung des Marktes. Sie können stark schwanken. Eine Aktie hat gewöhnlich keinen festen Rückzahlungstermin: Wer sie verkaufen möchte, ist auf einen Käufer und den dann erzielbaren Marktpreis angewiesen.
Viele Anleihen haben eine festgelegte Laufzeit und einen Rückzahlungstermin. Wer sie bis dahin hält, erhält den vereinbarten Betrag nur, wenn der Herausgeber zahlungsfähig ist und die Bedingungen erfüllt. Vor dem Laufzeitende kann die Anleihe meist ebenfalls gehandelt werden.
Der Marktpreis einer Anleihe kann sich während ihrer Laufzeit verändern. Steigen beispielsweise die Marktzinsen, werden ältere Anleihen mit niedrigeren Zinsen oft weniger attraktiv und können im Kurs fallen. Auch eine Verschlechterung der Kreditwürdigkeit des Herausgebers kann den Preis drücken. Ein Verkauf vor der Rückzahlung kann deshalb einen Gewinn oder Verlust bedeuten.
Welche Rolle spielen sie im Depot?
Aktien und Anleihen können in einem Wertpapierdepot nebeneinanderliegen. Sie bilden nicht zwingend ein Entweder-oder: Eine Anlage kann beide enthalten, etwa um Beteiligungen an Unternehmen mit Forderungen gegenüber Staaten oder Firmen zu kombinieren. Die Mischung allein beseitigt jedoch weder Verlustrisiken noch Zahlungsausfälle.
Bei der Auswahl sind unter anderem Anlageziel, geplanter Zeitraum, mögliche Kursschwankungen und die Zahlungsfähigkeit des Herausgebers wichtig. Auch eine Anleihe kann im Kurs deutlich nachgeben, und eine Aktie kann ihren Wert verlieren. Die Bezeichnung „Anleihe“ bedeutet daher nicht automatisch „sicher“.
Die konkreten Bedingungen unterscheiden sich von Wertpapier zu Wertpapier. Bei einer Aktie zählen unter anderem die Ausstattung mit Stimmrechten und die Unternehmenslage; bei einer Anleihe sind Laufzeit, Zinsregelung, Rang und Rückzahlungsbedingungen relevant. Für persönliche Anlageentscheidungen kann eine qualifizierte Finanzberatung sinnvoll sein.
Wann nimmt man was?
- Prüfen Sie, ob Sie Unternehmensanteile oder eine Forderung erwerben möchten.
- Lesen Sie bei Anleihen Laufzeit, Zinsbedingungen, Rang und Rückzahlungstermin.
- Achten Sie bei Aktien auf die Rechte der konkreten Aktienart.
- Vergleichen Sie Zahlungsfähigkeit des Herausgebers und mögliche Kursschwankungen.
Gemeinsamkeiten
- Beide können als Wertpapiere gehandelt werden.
- Beide können im Kurs steigen oder fallen.
- Bei beiden hängt ein möglicher Verlust von den Bedingungen und Risiken ab.
Häufiger Irrtum
Irrtum: „Anleihen sind immer sicherer als Aktien.“
Richtig: Anleihen können im Kurs fallen, und der Herausgeber kann zahlungsunfähig werden. Das Risiko hängt unter anderem von Bonität, Laufzeit und Bedingungen ab.
Irrtum: „Eine Aktie zahlt jedes Jahr eine Dividende.“
Richtig: Eine Ausschüttung ist nicht garantiert. Ob eine Dividende gezahlt wird, hängt von Unternehmensentscheidung und geltenden Regeln ab.
Häufige Fragen
Kann man mit einer Anleihe Geld verlieren?
Ja. Der Herausgeber kann Zinsen oder Rückzahlung nicht leisten, und ein Verkauf vor dem Laufzeitende kann unter dem Kaufpreis erfolgen. Auch die Marktbedingungen beeinflussen den Kurs.
Haben Aktionäre ein Stimmrecht?
Bei stimmberechtigten Aktien können Aktionäre auf der Hauptversammlung abstimmen. Ob und in welchem Umfang dieses Recht besteht, hängt von der Aktienart ab.
Was passiert mit einer Anleihe am Laufzeitende?
Der Herausgeber soll den vereinbarten Rückzahlungsbetrag leisten. Das setzt voraus, dass er zahlungsfähig ist und die Anleihebedingungen erfüllt.





