Unterschied zwischen Pfarrer und Priester

Kurz gesagt
„Pfarrer“ bezeichnet vor allem ein Amt: Ein Pfarrer betreut eine Gemeinde oder Pfarrei. „Priester“ bezeichnet eine geistliche Rolle, besonders in der katholischen und orthodoxen Kirche; ein katholischer Pfarrer ist Priester, aber nicht jeder Priester ist Pfarrer. In evangelischen Kirchen ist ein Pfarrer normalerweise kein Priester im katholischen Sinn.
Der HauptunterschiedPfarrer beschreibt meist die Leitung einer Gemeinde, Priester dagegen einen geistlichen Stand oder ein Amt, dessen Bedeutung von der Kirche abhängt.
Beide Begriffe bezeichnen kirchliche Tätigkeiten und überschneiden sich in katholischen Gemeinden, meinen aber nicht dasselbe und gelten nicht in allen Konfessionen gleich.
Steckbriefe
Steckbrief: Pfarrer
Ein Pfarrer ist ein Geistlicher, der mit der Leitung und seelsorglichen Betreuung einer Pfarrei oder Gemeinde beauftragt ist. Die genaue Bedeutung des Amts unterscheidet sich zwischen den Kirchen.
- Gemeindeleitung
- Seelsorge
- Gottesdienste
Beispiel Der Pfarrer besucht die Familie und bereitet mit ihr die Taufe vor.
Steckbrief: Priester
Ein Priester ist in Kirchen mit einem Priestertum ein geweihter Geistlicher mit bestimmten liturgischen und seelsorglichen Aufgaben. In der katholischen und orthodoxen Kirche ist das Priestertum ein eigenes geistliches Amt.
- geistliches Amt
- Weihe in vielen Kirchen
- Sakramente je nach Konfession
Beispiel Der Priester feiert in der katholischen Kirche die Messe.
Auf einen Blick
| Merkmal | Pfarrer | Priester |
|---|---|---|
| Was ist es? | Amt oder Funktion in einer Gemeinde beziehungsweise Pfarrei | Geistlicher Stand oder kirchliches Amt |
| Typisch | Leitet eine Gemeinde und begleitet ihre Mitglieder | Ist geweiht; Aufgaben hängen von der Konfession ab |
| Wofür / wann? | Gemeindeleitung, Seelsorge und Gottesdienste | Liturgie und kirchliche Handlungen, je nach Kirche |
| Beispiel | Ein evangelischer Pfarrer hält den Sonntagsgottesdienst. | Ein katholischer Priester feiert die Eucharistie. |
| Konfession | Evangelisch oder katholisch, unter anderem | Vor allem katholisch und orthodox; auch anderswo |
| Gemeindebezug | Üblicherweise einer Gemeinde zugeordnet | Kann auch ohne eigene Pfarrei tätig sein |
| Bezeichnung | Beschreibt meist eine konkrete Gemeindefunktion | Beschreibt meist geistlichen Stand oder Rang |
Im Detail
Dasselbe Wort bedeutet nicht dasselbe Amt
Im Alltag werden „Pfarrer“ und „Priester“ manchmal gleich verwendet. Kirchlich sind sie jedoch nicht austauschbar: „Pfarrer“ beschreibt vor allem eine Aufgabe innerhalb einer Gemeinde, „Priester“ eine geistliche Rolle, die in bestimmten Konfessionen durch eine Weihe verliehen wird.
Bei katholischen Pfarrern fallen die Begriffe oft zusammen. Ein katholischer Pfarrer ist ein zum Priester geweihter Mann, der eine Pfarrei leitet. Ein Priester kann aber auch andere Aufgaben haben, etwa in einer Ordensgemeinschaft, in einer Schule oder in der Seelsorge eines Krankenhauses.
Warum evangelische Pfarrer kein katholisches Priesteramt haben
Evangelische Kirchen kennen Pfarrerinnen und Pfarrer, aber in der Regel kein Priesteramt im katholischen Sinn. Die Geistlichen werden ordiniert und übernehmen Verkündigung, Seelsorge und Gottesdienste. Die Ordination ist dabei nicht dasselbe wie die katholische Priesterweihe.
Das hängt mit unterschiedlichen theologischen Auffassungen zusammen. Evangelische Kirchen betonen das „Priestertum aller Getauften“: Der Zugang zu Gott ist nicht auf eine besondere Priestergruppe beschränkt. Auch die katholische Kirche kennt das gemeinsame Priestertum aller Getauften. Der Unterschied liegt darin, wie die Kirchen dieses gemeinsame Priestertum und das besondere geistliche Amt verstehen. Das bedeutet nicht, dass alle Getauften Pfarrer sind; das Pfarramt bleibt ein ausgebildeter und offiziell übertragener Dienst.
Was Priester in katholischen und orthodoxen Kirchen tun
In der katholischen und orthodoxen Kirche hat der Priester eine besondere sakramentale Aufgabe. In der katholischen Kirche kann ein Priester beispielsweise die Eucharistie feiern, die Beichte abnehmen und die Krankensalbung spenden. Welche Handlungen möglich sind, ist kirchenrechtlich geregelt.
Ein Priester muss nicht automatisch eine Gemeinde leiten. Er kann als Kaplan mit einem Pfarrer zusammenarbeiten oder in einem anderen kirchlichen Dienst stehen. Auch die Bezeichnung „Pfarrer“ ist nicht schlicht ein höherer Rang: Sie verweist vor allem auf die Verantwortung für eine Pfarrei.
Unterschiede zwischen den Kirchen beachten
Die Begriffe sind nicht weltweit einheitlich. In vielen anglikanischen Kirchen gibt es ebenfalls Priester; teils wird auch die Bezeichnung ‚Presbyter‘ verwendet. „Pfarrer“ ist im deutschsprachigen Raum besonders als Bezeichnung für Geistliche mit Gemeindeverantwortung verbreitet.
Auch die Aufgaben eines Pfarrers unterscheiden sich: Größe und Organisation der Gemeinde, kirchliche Regeln und die jeweilige Konfession spielen eine Rolle. Wer wissen möchte, ob eine bestimmte Person Priester ist, sollte deshalb auf ihre Kirche und ihr Amt schauen, nicht allein auf die Berufsbezeichnung.
Woran erkennt man den Unterschied?
- Fragen Sie zuerst, welcher Konfession die Person angehört.
- Achten Sie darauf, ob sie eine Pfarrei oder Gemeinde leitet.
- Bei einer katholischen Gemeinde ist der Pfarrer auch Priester.
- Bei einer evangelischen Gemeinde heißt der Geistliche meist Pfarrer, nicht Priester.
- Ein Priester ohne eigene Gemeinde kann etwa als Kaplan oder Krankenhausseelsorger tätig sein.
Gemeinsamkeiten
- Beide arbeiten im kirchlichen Dienst.
- Beide können Gottesdienste gestalten und Seelsorge anbieten.
- Beide begleiten Menschen bei wichtigen Lebensereignissen.
- Ausbildung und konkrete Aufgaben hängen von der Kirche ab.
Häufiger Irrtum
Irrtum: „Jeder Pfarrer ist ein Priester.“
Richtig: Das trifft auf katholische Pfarrer gewöhnlich zu, nicht aber auf evangelische Pfarrer im katholischen Sinn des Priesteramts.
Irrtum: „Jeder Priester ist Pfarrer.“
Richtig: Ein Priester kann andere Aufgaben übernehmen und muss keine Pfarrei leiten.
Häufige Fragen
Darf ein evangelischer Pfarrer heiraten?
Ja. Evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer dürfen grundsätzlich heiraten. Das ist unabhängig davon, dass sie nicht als Priester im katholischen Sinn gelten.
Ist ein katholischer Kaplan auch Priester?
Ein katholischer Kaplan ist gewöhnlich ein Priester, der einen Pfarrer unterstützt oder andere seelsorgliche Aufgaben übernimmt. Er leitet nicht allein deshalb eine eigene Pfarrei.
Was ist der Unterschied zwischen einem Pfarrer und einem Pastor?
Im deutschen Sprachgebrauch bezeichnen beide Wörter oft einen Geistlichen mit Gemeindeverantwortung. Welche Bezeichnung üblich ist, hängt von Region und Konfession ab; „Pastor“ kann außerdem allgemeiner für einen Geistlichen verwendet werden.





