Unterschied zwischen Einkommensteuer und Vermögensteuer

Kurz gesagt
Die Einkommensteuer besteuert Einkommen, das eine Person in einem Zeitraum erzielt; die Vermögensteuer würde den Wert vorhandenen Vermögens abzüglich bestimmter Schulden besteuern. Einkommensteuer fällt an, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Der HauptunterschiedDie Einkommensteuer besteuert steuerpflichtige Einkünfte eines Zeitraums; eine Vermögensteuer würde den Wert vorhandenen Vermögens abzüglich anrechenbarer Schulden besteuern.
Beide sind Steuerarten, unterscheiden sich aber darin, ob Einkommen während eines Zeitraums oder vorhandenes Vermögen besteuert wird.
Steckbriefe
Steckbrief: Einkommensteuer
Die Einkommensteuer ist eine Steuer auf das Einkommen natürlicher Personen. Maßgeblich ist grundsätzlich das steuerpflichtige Einkommen nach den gesetzlich vorgesehenen Abzügen und Freibeträgen, nicht einfach jeder Zahlungseingang.
- Besteuert Einkünfte
- Regelmäßig jährlich veranlagt
- Höhe meist progressiv
Beispiel „Mein Arbeitslohn wird bei meiner Einkommensteuer berücksichtigt.“
Steckbrief: Vermögensteuer
Eine Vermögensteuer ist eine Steuer auf das vorhandene Vermögen einer Person oder eines Unternehmens. Üblicherweise wird dafür der Wert der Vermögensgegenstände ermittelt und werden anrechenbare Schulden berücksichtigt; die genaue Berechnung hängt vom jeweiligen Gesetz ab.
- Besteuert Vermögensbestand
- Bewertung von Vermögenswerten
- Schulden können zählen
Beispiel „Eine Vermögensteuer würde den Wert meines Vermögens erfassen, nicht nur mein Jahreseinkommen.“
Auf einen Blick
| Merkmal | Einkommensteuer | Vermögensteuer |
|---|---|---|
| Was ist es? | Steuer auf steuerpflichtige Einkünfte natürlicher Personen | Steuer auf vorhandenes Vermögen |
| Typisch | Lohn, selbstständige Arbeit oder andere Einkunftsarten | Vermögenswerte, gegebenenfalls abzüglich Schulden |
| Wofür / wann? | Besteuerung von Einkommen während eines Steuerjahres | Besteuerung des Vermögensbestands nach gesetzlicher Bewertung |
| Beispiel | Arbeitslohn wird in der Steuererklärung berücksichtigt | Ein Wertpapierbestand könnte – abhängig von den gesetzlichen Bewertungsregeln und Freibeträgen – in die Vermögensbewertung eingehen. |
| Steuergrundlage | Einkünfte, die im Zeitraum erzielt werden | Wert des vorhandenen Vermögens |
| Zeitbezug | Ermittlung des zu versteuernden Einkommens für einen Veranlagungszeitraum | Vermögensbestand zu einem Bewertungszeitpunkt |
| Deutschland heute | Wird nach geltendem Recht erhoben | Derzeit keine Erhebung |
Im Detail
Was bei der Einkommensteuer zählt
Bei der Einkommensteuer geht es nicht nur darum, wie viel Geld auf dem Konto eingeht. Das Steuerrecht unterscheidet verschiedene Einkunftsarten, etwa Arbeitslohn, Einkünfte aus selbstständiger Arbeit oder bestimmte Einkünfte aus Vermietung. Welche Beträge steuerpflichtig sind, richtet sich nach den gesetzlichen Regeln.
Die Steuer wird in Deutschland grundsätzlich für ein Kalenderjahr berechnet. Freibeträge, abzugsfähige Aufwendungen und weitere Vorschriften können beeinflussen, welcher Betrag tatsächlich besteuert wird. Deshalb ist das Bruttoeinkommen nicht automatisch gleich dem zu versteuernden Einkommen.
Was eine Vermögensteuer erfassen würde
Eine Vermögensteuer richtet den Blick auf das, was jemand besitzt, statt auf die Einkünfte, die innerhalb eines Jahres hinzukommen. Dazu könnten je nach Gesetz zum Beispiel Immobilien, Geldanlagen oder Unternehmensanteile zählen. Für eine konkrete Steuer wären Bewertungsregeln und mögliche Freibeträge entscheidend.
Häufig wird bei Vermögensteuern das Nettovermögen betrachtet: Vermögenswerten werden dabei bestimmte Schulden gegenübergestellt. Das ist jedoch keine weltweit einheitliche Definition; die Einzelheiten legt das jeweilige Steuerrecht fest. Die deutsche Grundsteuer ist davon zu unterscheiden: Sie ist eine eigene Steuer auf Grundstücke und nicht die Vermögensteuer.
Die Situation in Deutschland
Die Vermögensteuer wird in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben. Das Bundesverfassungsgericht beanstandete 1995 die damalige Bewertung von Vermögen als nicht mit dem Gleichheitssatz vereinbar, insbesondere weil Immobilien und andere Vermögensarten unterschiedlich bewertet wurden. Das Urteil erklärte eine Vermögensteuer nicht grundsätzlich für unzulässig.
Eine Einkommensteuer wird dagegen weiterhin erhoben. Ob und in welcher Höhe sie anfällt, hängt von den persönlichen Einkünften und den geltenden Vorschriften ab. Die Aussage, Vermögensteuer werde derzeit nicht erhoben, bezieht sich auf Deutschland und kann nicht auf andere Länder übertragen werden.
Warum die Steuern nebeneinander bestehen könnten
Einkommen und Vermögen hängen oft zusammen, sind aber nicht dasselbe. Wer Einkommen spart oder anlegt, kann dadurch Vermögen aufbauen; vorhandenes Vermögen kann wiederum Erträge abwerfen. Ein und dieselbe Person kann daher Einkommen erzielen und zugleich Vermögen besitzen.
Eine Steuer auf Einkommen und eine Steuer auf Vermögen würden unterschiedliche steuerliche Vorgänge erfassen. Ob eine Vermögensteuer neben einer Einkommensteuer eingeführt wird und wie beide ausgestaltet sind, ist eine Frage der jeweiligen Gesetzgebung. Die bloße Ähnlichkeit der Steuerarten bedeutet nicht, dass sie einander ersetzen.
Woran erkennt man den Unterschied?
- Fragen Sie zuerst: Geht es um Geld, das im Jahr verdient oder erzielt wurde? Dann ist Einkommensteuer gemeint.
- Geht es um den Wert von Besitz zu einem bestimmten Zeitpunkt? Dann geht es um eine Vermögensteuer.
- Prüfen Sie, ob von einer allgemeinen Steuerart oder von der Lage in einem bestimmten Land die Rede ist.
- Verwechseln Sie die Vermögensteuer nicht mit der Grundsteuer, die Grundstücke betrifft und in Deutschland erhoben wird.
Gemeinsamkeiten
- Beide sind Formen staatlicher Besteuerung.
- Beide benötigen gesetzliche Regeln zur Ermittlung der Steuergrundlage.
- Beide können die finanzielle Lage von Personen betreffen; eine Vermögensteuer kann je nach Gesetz auch Unternehmen erfassen.
Häufiger Irrtum
Irrtum: „Die Vermögensteuer ist in Deutschland verfassungsrechtlich verboten.“
Richtig: Das Bundesverfassungsgericht erklärte eine bestimmte damalige Bewertung für verfassungswidrig, nicht jede mögliche Vermögensteuer. Seit 1997 wird sie in Deutschland nicht erhoben.
Irrtum: „Wer Vermögen besitzt, zahlt darauf automatisch Einkommensteuer.“
Richtig: Einkommensteuer knüpft an steuerpflichtige Einkünfte an. Der bloße Besitz von Vermögen ist etwas anderes; Erträge daraus können allerdings steuerlich relevant sein.
Häufige Fragen
Wird in Deutschland derzeit Vermögensteuer gezahlt?
Nein. Eine mögliche Neuregelung wäre gesondert zu beurteilen.
Ist die Grundsteuer eine Vermögensteuer?
Nein. Die Grundsteuer ist eine eigene Steuer auf Grundstücke und wird unabhängig von der Vermögensteuer behandelt. Die Vermögensteuer wird in Deutschland derzeit nicht erhoben.
Zählen Kapitalerträge zur Einkommensteuer?
Kapitalerträge können steuerpflichtige Einkünfte sein; dafür gelten besondere steuerliche Regeln. Das ist von einer Steuer auf den Wert der gehaltenen Anlagen zu unterscheiden.





