Unterschied zwischen Evaporation und Kondensation

Kurz gesagt
Evaporation ist der Übergang einer Flüssigkeit in ein Gas von ihrer Oberfläche aus; im Deutschen heißt das meist Verdunstung. Bei der Kondensation wird ein Gas wieder flüssig – etwa wenn sich Wassertröpfchen an einem kalten Glas bilden.
Der HauptunterschiedBei der Evaporation geht Flüssigkeit an ihrer Oberfläche in Gas über; bei der Kondensation wird Gas wieder flüssig.
Beide sind entgegengesetzte Phasenübergänge zwischen Flüssigkeit und Gas und betreffen häufig denselben Stoff.
Steckbriefe
Steckbrief: Evaporation
Evaporation ist die Verdunstung an der Oberfläche einer Flüssigkeit; dabei können Teilchen auch unterhalb des Siedepunkts entweichen.
- Flüssigkeit wird gasförmig
- Übergang an der Oberfläche
- nimmt Wärme auf
Beispiel Nach dem Regen trocknet die Pfütze durch Evaporation.
Steckbrief: Kondensation
Kondensation beschreibt die Bildung von Flüssigkeitströpfchen aus Wasserdampf oder einem anderen Gas.
- Gas wird flüssig
- Tröpfchen können entstehen
- gibt Wärme ab
Beispiel Am kalten Saftglas bildet sich Kondenswasser.
Auf einen Blick
| Merkmal | Evaporation | Kondensation |
|---|---|---|
| Was ist es? | Verdunstung an einer freien Flüssigkeitsoberfläche | Bildung von Flüssigkeitströpfchen aus einem Gas |
| Typisch | Moleküle entweichen an der Flüssigkeitsoberfläche | Gasförmige Moleküle sammeln sich als Flüssigkeit |
| Wofür / wann? | Trocknen von Wäsche oder feuchten Oberflächen | Entstehung von Tau und Wassertröpfchen |
| Beispiel | Wasser verschwindet langsam aus einer offenen Schale | Ein Badezimmerspiegel beschlägt nach dem Duschen |
| Fachsprachliche Bezeichnung | Verdunstung | Verflüssigung |
| Energie | Nimmt Energie auf; die Flüssigkeit kann dabei abkühlen. | Gibt Energie an die Umgebung ab |
| Bedingungen | Begünstigt durch Wärme, Wind und trockene Luft | Begünstigt durch Abkühlung oder hohe Feuchtigkeit |
| Alltagsfolge | Eine nasse Fläche wird trockener | Auf einer Fläche bilden sich Tröpfchen |
Im Detail
Was auf Teilchenebene geschieht
In einer Flüssigkeit bewegen sich die Teilchen unterschiedlich schnell. An der Oberfläche können besonders energiereiche Teilchen in die Umgebung entweichen und gasförmig werden. Dieser Vorgang heißt Evaporation.
Bei der Kondensation läuft die Bewegung in die Gegenrichtung: Teilchen aus einem Gas treffen aufeinander oder auf eine Oberfläche und gehen in den flüssigen Zustand über. So entstehen zum Beispiel kleine Wassertröpfchen an einem kalten Gegenstand.
Wärme und Temperatur
Für Evaporation wird Energie benötigt. Entweichen energiereiche Teilchen aus einer Flüssigkeit, sinkt die durchschnittliche Bewegungsenergie der verbleibenden Teilchen; die Flüssigkeit kann dadurch abkühlen. Ein feuchtes Tuch fühlt sich deshalb kühl an, wenn es trocknet.
Bei der Kondensation wird Energie an die Umgebung abgegeben. Der Übergang setzt Wärme frei, auch wenn die entstehenden Tröpfchen selbst kühl sein können. Die Temperatur eines Tropfens allein verrät also nicht, in welche Richtung der Phasenübergang gerade verläuft.
Verdunstung ist nicht dasselbe wie Sieden
Evaporation findet an der Oberfläche statt und kann auch unterhalb des Siedepunkts einsetzen. Deshalb verschwindet Wasser aus einer Schale, ohne dass es kocht. Wärme, eine große freie Oberfläche, trockene Luft und Luftbewegung können den Vorgang beschleunigen.
Beim Sieden bilden sich dagegen Dampfblasen im Inneren der Flüssigkeit. Es handelt sich ebenfalls um einen Übergang von flüssig zu gasförmig, aber nicht um Evaporation im engeren Sinn. Im Alltag und in manchen Fachzusammenhängen wird „Verdampfung“ als Oberbegriff für beide Vorgänge verwendet.
Kondensation in der Luft
Bei gegebenem Druck kann Luft bei einer bestimmten Temperatur nur eine begrenzte Menge Wasserdampf enthalten, bevor sie gesättigt ist. Kühlt feuchte Luft ab oder steigt ihre Feuchtigkeit, kann Wasserdampf kondensieren. Der Taupunkt bezeichnet die Temperatur, bei der die vorhandene Feuchtigkeit zur Sättigung führt.
Am kalten Glas wird die angrenzende Luft abgekühlt, sodass sich Wassertröpfchen auf der Oberfläche bilden. In Wolken kondensiert Wasserdampf an winzigen Schwebeteilchen zu Tröpfchen; Eiskristalle können durch direkten Übergang des Wasserdampfs zu Eis oder durch Gefrieren von Tröpfchen entstehen. Wasserdampf selbst ist unsichtbar; die sichtbare weiße „Wolke“ besteht aus flüssigen Tröpfchen oder Eiskristallen.
Woran erkennt man den Unterschied?
- Prüfen Sie, ob eine Flüssigkeit kleiner wird: Das spricht für Evaporation.
- Suchen Sie nach neu entstandenen Tröpfchen auf einer Oberfläche: Das spricht für Kondensation.
- Achten Sie auf die Richtung: Flüssigkeit wird gasförmig oder Gas wird flüssig.
- Bei beschlagenem Glas vergleichen Sie Glas- und Raumtemperatur: Ein kühles Glas begünstigt Tröpfchenbildung.
Gemeinsamkeiten
- Beide verändern den Aggregatzustand eines Stoffes.
- Beide können bei Wasser und bei anderen Flüssigkeiten auftreten.
- Beide hängen mit Wärmeübertragung und den Umgebungsbedingungen zusammen.
Häufiger Irrtum
Irrtum: Evaporation findet erst am Siedepunkt statt.
Richtig: Sie kann bereits bei niedrigeren Temperaturen an der Flüssigkeitsoberfläche ablaufen.
Irrtum: Kondensation entsteht nur, wenn Luft abkühlt.
Richtig: Auch eine höhere Wasserdampfmenge kann zur Sättigung und damit zur Kondensation führen.
Häufige Fragen
Ist Evaporation dasselbe wie Verdunstung?
Ja. „Evaporation“ ist ein Fachwort für Verdunstung, also den Übergang einer Flüssigkeit in Gas an ihrer Oberfläche.
Warum beschlägt ein kaltes Glas?
Die Luft direkt am Glas kühlt ab. Erreicht sie dabei den Taupunkt, kondensiert Wasserdampf und bildet sichtbare Tröpfchen.
Kühlt Evaporation die Umgebung ab?
Für den Übergang nimmt die Flüssigkeit Energie auf. Wenn diese Energie der Flüssigkeit und ihrer Umgebung entzogen wird, kann es dort kühler werden.





